Debates Digital

Text & Talks

Eine Serie von digital publizierten Essays von und Live-Debatten mit einigen der an den vergangenen Debatten beteiligten Schriftstellerinnen, Wissenschaftler und „public intellectuals“.

Seit Mitte des Jahres veröffentlichen wir in unserem digitalen Format Debates Digital: Text and Talks Essays und Gespräche, in denen wir gesellschaftliche Umbrüche und politische Veränderungen diskutieren und abwägen. Diesen Herbst blicken wir erneut auf die Entwicklungen der Ereignisse in Belfast, Minsk und anderen europäischen Städten und beleuchten die aktuelle Lage vor Ort.

Die aktuelle Situation macht die Themen und Fragen, die von Anbeginn an im Zentrum der „Debates on Europe“ standen, wichtiger und dringlicher denn je. Debates Digital bietet Einblicke in einige Regionen Europas, die sonst in der internationalen Medienaufmerksamkeit eher unterbelichtet bleiben, von Minsk und Moskau im Osten bis Belfast im Westen. Innenansichten der sozialen, kulturellen und politischen Entwicklungen werden dabei ebenso zu finden sein wie Analysen der unmittelbaren und längerfristigen Folgen gesellschaftlicher Umbrüche.

Die „Debates on Europe“ werden, sobald es die Umstände erlauben, in Gestalt wirklicher Begegnungen in die europäischen Städte zurückkehren. Für die Zwischenzeit laden wir Sie mit den #DebatesDigital dazu ein, unsere Debatten online zu verfolgen.

Die Essays in dieser Reihe werden hier auf der Website auf Englisch und Deutsch veröffentlicht, zudem finden Sie die Artikel in diesen Sprachen wie auch auf Französisch und Italienisch auf Voxeurop.

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Talks

Angelina Kariakina zur Lage in der Ukraine

Diplomatische Bemühungen wollen nicht greifen und immer mehr Ukrainer sehen in einem offenen Krieg die einzige Lösung, die derzeitige Situation des Stillstands zu durchbrechen, erklärt die Fernsehjournalistin Angelina Kariakina, die mit Debates Digital von Kiew aus spricht. Der Konflikt in der Ostukraine beherrscht zwar nicht mehr die internationalen Schlagzeilen, aber die Auseinandersetzungen sind noch lange nicht beigelegt.  In dem stark polarisierten Land haben Friedenspläne wenig Aussicht auf Erfolg.

Jan Carson über die Lage in Nordirland

Wir sprechen mit der in Belfast lebenden preisgekrönten Schriftstellerin Jan Carson über die prekäre Lage der Kulturschaffenden in Belfast, die erstarkende Lagerspaltung in Nordirland und die allgemeine Situation im Lande: „Wir beobachten gerade den Zusammenbruch des Vereinigten Königreichs.“

Iryna Vidanava über die Proteste in Belarus

Wir sprechen mit der Publizistin und Medienexpertin Iryna Vidanava aus Minsk. Im Gespräch zu den Protestbewegungen in Belarus will sie den Menschen und Politiker*innen in Europa eines bewusst machen: Es handelt sich um Menschenrechte, nicht Geopolitik.

»Aus aktuellem Anlass« | Proteste an der Budapester Universität für Theater und Filmkunst

Ein Gespräch zwischen Günter Blamberger und László F. Földényi über die Proteste an der Budapester Universität für Theater und Filmkunst.

Moskau und Vilnius: Rein und raus aus der Quarantäne. Das Virus als Metapher und die multiple Corona-Persönlichkeit

In dieser Folge der Gesprächsreihe Debates Digital beleuchten Sergej Lebedew und Maris Ivaškevičius, wie die Corona-Pandemie Erinnerungen an alte Sowjetzeiten heraufbeschwört und wie sich Gesellschaft und Denkweisen verändert haben oder auch nicht.

Belgrad und Budapest: Über die Instrumentalisierung des Gesundheitsnotstandes- Über Herdendemokratie und Menschenwürde

In der Reihe der Debates Digital online Veranstaltungen sprechen Dubravka Stojanović und Anna Lengyel darüber, wie autoritäre Politiker die Covid-19 Pandemie nutzen, um politische Freiheit einzuschränken und illiberale Demokratie zu fördern.

Belfast und Minsk: Die Pandemie mischt die politischen Karten neu.

Im ersten Gespräch der „Debates Digital“-Reihe werden die beiden Autorinnen mit Carl Henrik Fredriksson aus dem Team der „Debates on Europe“ über ihr Leben im Zeichen der Pandemie sprechen und wie das Versagen der Regierenden im Umgang mit der Covid-19-Krise alte Loyalitäten erschüttert hat und einem politischen Wechsel den Boden bereiten könnte.

Text

Kroatien: Das Virus, das Erdbeben und die Bioökonomie des Tourismus

Slavenka Drakulić

In Kroatien hat eine angeblich unabhängige Expertengruppe das Vorgehen angesichts der Corona-Pandemie bestimmt. Doch dieses Krisenmanagement war in Wahrheit zutiefst politisch, wie die Journalistin und Schriftstellerin Slavenka Drakulić darlegt. Das stark vom Tourismus abhängige jüngste EU-Mitglied hat sich auf ein riskantes Spiel eingelassen, bei dem politische Macht und wirtschaftliche Erwägungen gegen das Leben von Menschen im besonders gefährdeten Teil der Bevölkerung stehen. Am Ende könnte es bei diesem Widerspruch um nicht weniger gehen als um die Zukunft der Demokratie.

In politischer Selbstisolation

Segej Lebedew

Die Menschen in Russland leben seit vielen Jahren in einem System politischer Selbstisolation, schreibt Sergej Lebedew. Er zeigt, wie der Coronavirus den vollständigen Mangel an Vertrauen in der heutigen russischen Gesellschaft mit den Verbrechen der sowjetischen Geschichte verknüpft. Und er fragt, ob die Covid-19-Krise Auswirkungen auf das Ansehen und die Umfragewerte Putins haben wird?

Das Quarantäne-Entzugssyndrom

Marius Ivaškevičius

Als während der Corona-Krise die Menschen, die in den 1990er Jahren aus Litauen emigriert waren, heimkehrten, waren sie nicht willkommen. Wie alle Fremden wurden sie als Bedrohung wahrgenommen. Marius Ivaškevičius diagnostiziert an sich selbst eine gespaltene Corona-Persönlichkeit, die zwischen der Trauer über die verlorene Weltoffenheit und der Freude an der neuen zurückgezogenen Lebensweise hin und hergerissen ist.

Belgrad: Herdendemokratie

Dubravka Stojanović

Das Coronavirus hat gezeigt, wie verletzbar unsere Freiheiten sind und wie wenig es bedarf, um sie zu verlieren. Regierungen und Bürger haben gleichermaßen dazu beigetragen, die durch Covid-19 verursachten gesellschaftlichen Herausforderungen in eine Manifestation von Autoritarismus und gesellschaftlicher Fragmentierung zu verwandeln, so lautet die Diagnose der serbischen Historikerin Dubravka Stojanovic. Statt Herdenimmunität zu erreichen, haben wir eine Herdendemokratie bekommen.

Ungarn: Die Krise der Menschenwürde

Anna Lengyel

Die Würde des Menschen ist im Zuge der Corona-Krise geopfert worden, schreibt Anna Lengyel. Und solange Viktor Orbán an der Macht bleibt, wird diese Krise andauern, selbst nachdem das Virus längst verschwunden ist.

Nordirland: in Belfast stellt der Virus politische Allianzen in Frage

Jan Carson

In Belfast waren die Erfahrungen der Menschen mit dem Coronavirus eher der Situation in Irland vergleichbar als den englischen Verhältnissen, beispielsweise in London. Trotzdem war Nordirland den gleichen Regelungen ausgesetzt, die im gesamten United Kingdom galten. Wenn das normale Leben zurückkehrt, werden sich die in dieser Krisenzeit gelernten Lektionen an der Wahlurne auswirken, schreibt Jan Carson.

Belarus: Leben und Hoffen in der Pandemie

Iryna Vidanava

In Minsk veranstaltete Präsident Lukashenka die traditionelle Siegesparade am 9. Mai, als ob es das Virus nicht gebe. Obwohl das Regime die Bürger immer noch zur Teilnahme an derartigen Paraden zwingen kann, so hat es doch die Kontrolle über den digitalen Raum verloren, in dem sich vor allem Protest zu formieren beginnt. In Belarus ist die autoritäre Methode offenbar nicht die Lösung, meint Iryna Vidanava.

RednerInnen and AutorInnen bei Debates Digital

Angelina Kariakina

Angelina Kariakina arbeitet als Journalistin in Kiew, Ukraine. Sie war Chefredakteurin von Hromadske und hat über die Maidan-Proteste, die russische Aggression in der Ukraine und Prozesse gegen ukrainische politische Gefangene in Russland berichtet. Sie ist Mitbegründerin des Public Interest Journalism Lab, eines interdisziplinären Projekts, das Best-Practice-Strategien für die journalistische Arbeit im digitalen Zeitalter vermittelt. Derzeit arbeitet Kariakina an einer Reform der Nachrichtenredaktion beim ukrainischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

© Jess Lowe

Jan Carson

Jan Carson ist Schriftstellerin und engagiert sich in der kulturellen Stadtteilarbeit in Belfast. Ihr Roman The Fire Starters wurde im vergangenen Jahr mit dem Literaturpreis der Europäischen Union für Irland ausgezeichnet und ist nominiert für den Dalkey Novel Prize. Während des Corona-Lockdown setzt sie ihr 2019 begonnenes und weithin beachtetes Projekt der Postcard Stories fort.

Iryna Vidanava

Iryna Vidanava ist Mitbegründerin von CityDog.by, einem der führenden unabhängigen Online-Magazine in Belarus, und publiziert als international anerkannte Expertin über neue Medien, Zivilgesellschaft und staatliche Politik. 2014 war sie auf der Liste der “Top-Dissidenten der Welt” der Zeitschrift Foreign Policy.

Slavenka Drakulić

Slavenka Drakulić ist eine kroatische Journalistin, Romanautorin und Essayistin, deren Werke zum Feminismus, Kommunismus und Postkommunismus in viele Sprachen übersetzt wurden. 2004 erhielt sie den Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung. Ihr neues Buch Café Europa Revisited. How to Survive Post-Communism wird im Frühjahr 2021 bei Penguin erscheinen.

László F. Földényi

László F. Földényi ist Kulturtheoretiker. Er zählt zu den bedeutendsten ungarischen Intellektuellen und leitet als Professor den Lehrstuhl für Kunsttheorie an der Universität für Theater und Filmkunst, Budapest. Seit 2009 ist er Mitglied der der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Für sein Werk »Lob der Melancholie« wurde er mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2020 ausgezeichnet.

Günter Blamberger

Günter Blamberger ist emeritierter Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität zu Köln, wo er das Internationale Wissenschaftskolleg Morphomata leitet und ebenso das Festival für Weltliteratur »Poetica«.  Er ist außerdem seit 1996 Präsident der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft und seit 2015 Mitglied der der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Sergej Lebedew

Sergej Lebedew ist ein russischer Autor, dessen Bücher in 17 Sprachen übersetzt wurden. Er trat in die Fußstapfen seiner Eltern und nahm in jungen Jahren an geologischen Expeditionen in Russlands Fernen Norden und nach Zentralasien teil. Dabei waren die Zielorte zumeist verlassene Gulag-Gebiete, deren Lager seit ihrer Schließung in den 1960er Jahren unbewohnt waren. Seit 2010 hat Lebedew fünf Romane geschrieben, die die verdeckte sowjetische Vergangenheit und die Auswirkungen der stalinistischen Repressionen auf die moderne russische Gesellschaft zum Thema haben. Dabei wird das sowjetische Trauma des Totalitarismus durch die Perspektive einer Familiengeschichte wie in einem Brennglas gebrochen.

Marius Ivaškevičius

Marius Ivaškevičius ist einer der bedeutendsten Gegenwartsautoren Litauens, Journalist, Prosa- und Drehbuchautor, Dramatiker und Regisseur. Seine Romane wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Seine Theaterstücke wurden u. a. in Litauen, Russland, Deutschland, Italien, Frankreich und Neuseeland inszeniert, beispielsweise unter der Regie von Kirill Serebrennikov, Oskaras Korshunovas, Rimas Tuminas, Mindaugas Karbauskis, Arpad Shilling und Aleksandar Popovski. Zu seinen Auszeichnungen zählen vier Preise für das beste litauische Stück des Jahres und ein russischer Golden Mask Award für das beste Stück des Jahres 2017.

Anna Lengyel

Anna Lengyel ist preisgekrönte Dramaturgin, Übersetzerin, Regisseurin und Gründerin von PanoDrama, Ungarns einzigem Dokumentarischen Theater, das gleichzeitig als unabhängige kreative Produktionsfirma fungiert. Ihre jüngste Aktion zielt darauf ab, Kulturarbeiter während der derzeitigen Corona-Krise zu unterstützen. Unter dem Motto „Ich mache Theater – kann aber auch andere Sachen“ fordert sie dazu auf, sich Können und Talent der Künstler, Theatermacher und Akteure des Kulturbetriebs für andere Sparten zunutze zu machen.

Dubravka Stojanović

Serbische Historikerin und Professorin an der Universität Belgrad. Sie forscht zu den Themen: Demokratie in Serbien und der Balkanregion, Geschichtsnarrative in Schulbüchern, Sozialgeschichte, Modernisierungsprozesse und die Geschichte der Frauen in Serbien. Sie ist Vizepräsidentin des Ausschusses für Geschichtserziehung und Beraterin der Vereinten Nationen, die sich mit Fragen der Geschichte, des Gedächtnisses und des Missbrauchs der Geschichte in der Bildung befasst.

Carl Henrik Fredriksson

Schwedischer Redakteur, Essayist und Übersetzer mit Wohnsitz in Wien. Er ist Mitbegründer der Eurozine und war bis 2015 dessen Chefredakteur und Leiter. Er ist Programmdirektor der Belfast Debate on Europe und Permanent Fellow des Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik in Köln. Außerdem ist er ehemaliger Chefredakteur des ältesten schwedischen Kulturmagazins, Ord&Bild.

Partner

Voxeurop

Als Online-Medium, das von Journalisten aus allen Ecken Europas geschaffen wurde, ist Voxeurop aus folgender Überzeugung heraus entstanden: Es ist nicht mehr möglich, die Herausforderungen dieses Jahrhunderts ausschließlich auf nationaler Ebene zu verstehen.

Debates Digital Team

Carl Henrik Fredriksson

Programmdirektor und Moderator der Live-Diskussionen

Radmila Radovanović

Projektmanagerin

Barbara Anderlič

Projektmanagerin

Thank you!

Wir danken allen Kolleginnen und Kollegen und Projektpartnern, die uns dabei geholfen haben, Debates Digital zu verwirklichen.